Tomra Systems – Analyse vom 22.10.2019

Der norwegische Sortier- und Recyclingspezialist Tomra Systems ASA steht für die heutigen Analyse auf Basis meiner kennzahlenbasierten Bewertungssystematik im Fokus.

Allgemeines zur Aktie und zum Unternehmen

Die 1972 gegründete Tomra Systems ASA ist hierzulande vor allem für seine Leergutrücknahmeautomaten bekannt. Tatsächlich ist das Unternehmen jedoch viel mehr, nämlich ein weltweit führender Anbieter von Technologien für Sortierverfahren und Prozessanalysen in der Nahrungsmittel-, Bergbau- und Recyclingindustrie. Neben den besagten speziellen Geräten zur Leergutrücknahme umfasst die Produktpalette weitere Materialtransport- und Sortier-Systeme sowie Lösungen für die Abfallerkennung, -sortierung und Materialverdichtung.

Die Aktie notiert an der Osloer Börse, wird unter der internationalen Wertpapierkennnummer (ISIN) NO0005668905 bzw. der Wertpapierkennnummer (WKN) 872535 gehandelt und entsprechend dem Global Industry Classification Standard dem Industriesektor zugeordnet.

Aktien-Dashboard und Qualitätsfaktoren

Das Geschäftsjahr von Tomra läuft vom 01.01. bis 31.12. und unter Berücksichtigung des abgeschlossenen Fiskaljahrs 2018 ergibt sich mit Stand 22.10.2019 folgendes Dashboard zur Aktie:

Tomra Systems Dashboard Whirlwind-Investing
Tomra Systems – Whirlwind-Investing Analyse, Stand 22.10.2019

Mit Blick auf die Kennzahlen liefert das Unternehmen ein durch aus positives Bild. Die über 3 Jahre gemittelte Eigenkapitalrendite liegt bei knapp 15 % p.a., bei einer mittleren Eigenkapitalquote von > 55 % über 3 Jahre. Dabei nimmt das Eigenkapital über die Jahre zuverlässig und stetig zu und die Schuldentilgungsdauer liegt mit unter 4,5 Jahren in einem soliden Zeitrahmen.

Die Umsätze und Gewinne wachsen stabil zwischen 9 und 13 % p.a. und auch die Dividende wurde die letzten 5 Jahre im Schnitt um 25 % p.a. gesteigert. Wobei im Jahr 2018 eine Sonderdividende i.H.v. 2,00 NOK gezahlt wurde. Bereinigt um die Sonderdividende beträgt das durchschnittliche jährliche Dividendenwachstum jedoch noch immer über 13 % p.a., d.h. die Dividende verdoppelt sich alle 5 bis 6 Jahre. Die gemittelte Ausschüttungsquote über 3 Jahre beträgt inkl. Sonderdividende knapp 64 %, bereinigt dagegen sogar nur moderate 50 % und damit innerhalb des vom Managements angekündigten Zielsektors.

“Our ambition is to distribute 40-60% of earnings per share.”

Etwas verkompliziert wird die Dividendenthematik jedoch dadurch, dass die norwegische Quellensteuer i.H.v. 25 % nicht automatisch auf die deutsche Abgeltungssteuer angerechnet wird. Hier muss der deutsche Tomra-Aktionär also selbst aktiv werden und die doppelt gezahlten Steuern zurückfordern.

Performance im Vergleich

An dieser Stelle folgt ein Blick auf die Performance der letzten Jahre. Die Total-Return-Rendite über die letzten 5 Jahre, d.h. Kauf der Aktie von Tomra Systems zum mittleren Kurs des Fiskaljahres 2013 und Verkauf zum mittleren Kurs des Fiskaljahres 2018, beträgt inkl. Berücksichtigung der gezahlten Dividenden durchschnittlich hervorragende 27,96 % pro Jahr. Betrachtet über 5 Jahre lief damit die Tomra Aktie deutlich besser als der Euro Stoxx 50 und auch die Performance des S&P 500 Index wurde übertroffen.

5-Jahres Kursverlauf – Tomra Systems verglichen mit dem Euro Stoxx 50 und dem S&P 500 Kurs-Index, Stand 22.10.2019, Quelle: ariva.de

Risiko: Ergebnisse in der letzten Krise

Allgemeinhin wird an der Börse zur Quantifizierung des Risikos die Volatilität verwendet. Dabei zeigt die Volatilität die Schwankungsintensität des Preises einer Aktie innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Je höher die Volatilität eines Wertpapiers, umso stärker schlägt der Kurs nach oben und unten aus und desto riskanter ist eine Investition in selbiges.

Langfristig orientierten Investoren kann die Schwankung des Preises jedoch im Grunde genommen weitestgehend egal sein, da der Preis letztlich nur beim Kauf, beim Nachkauf oder beim Verkauf eine Rolle spielt. Das Hauptrisiko für einen Langfristanleger ist meiner Meinung nach dagegen, dass das Unternehmen auf Grund einer langanhaltenden fundamentalen Schwäche irgendwann in ernste Zahlungsschwierigkeiten gerät und infolgedessen Insolvenz anmelden muss. Daher schaue ich mir zur Beurteilung des Risikos hier noch einmal gezielt die fundamentalen Daten an, besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Dabei konzentriere ich mich vor allem auf die Kennzahl des operativen Gewinns (EBIT). Wesentliche Fragen sind für mich an dieser Stelle:

  • Musste das Unternehmen in der letzten Krise einen Verlust ausweisen (EBIT < 0)?
  • Betrug der Gewinnrückgang in den Jahren der Krise > 50 %?
  • Wie viele Jahre dauerte es nach einem signifikanten Gewinnrückgang, bis der operative Gewinn wieder auf Vorkrisenniveau oder darüber lag?

Für den gesamten Zeitraum meiner Betrachtung, d.h. seit dem Geschäftsjahr 2006 hat Tomra Systems stets positive operative Gewinne (EBIT) ausgewiesen. Dennoch gab der operative Gewinn in der Zeit der Weltfinanzkrise 2008/2009 um über 35 % nach. Allerdings wurde bereits für das Fiskaljahr 2011 mit 625 Mio. NOK wieder ein Rekord-EBIT berichtet, welches deutlich über dem Vorkrisen-EBIT von 2008 i.H.v. 456 Mio. NOK lag.

Ganz zum Schluss werfe ich nun doch noch einen Blick auf die Drawdowns der Aktie, d.h. den prozentualen Abstand des Kurses vom jeweils letzten Hoch, da dies einen Eindruck vermittelt, mit welchen Buchwertverlusten Investoren von Tomra Systems in der Vergangenheit umgehen mussten.

Drawdowns – Tomra Systems, Stand 22.10.2019

Im Rahmen der Weltfinanzkrise gab der Kurs der Tomra Aktie über 65 % nach und fiel vom letzten Hoch bei 65,25 NOK am 02.05.2006 auf das Tief bei 20,70 NOK, welches am 09.12.2008 erreicht wurde. Von da an dauerte es nochmals über 6 Jahre, bis am 10.02.2015 mit 65,00 NOK endlich ein neues Hoch erreicht wurde. Zwischen diesen beiden Hochs lagen somit mehr als 2.200 Handelstage bzw. über 8,5 Jahre. Das folgende Diagramm mit dem Kursverlauf seit Anfang 2006 und den seitdem erreichten Hochs verdeutlicht diese extrem lange Zeit noch einmal.

Kurs & Hochs – Tomra Systems, Stand 22.10.2019

Aktuelle Bewertung in Relation zur historischen Bewertung

Zum Schluss werfe ich an dieser Stelle bekanntermaßen einen Blick auf die aktuelle Bewertung der Aktie, vor allem im Vergleich zur eigenen historischen Bewertung auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses und der Dividendenrendite.

Im Durchschnitt der letzten 5 Jahre wurde die Tomra Aktie mit einem KGV von knapp 24 bewertet. Laut dem Finanzportal finanzen.net erwarten die Analysten für das Fiskaljahr 2019 einen Gewinn je Aktie i.H.v. 5,75 NOK. Basierend auf dem aktuellen Preis von etwa 236 NOK pro Aktie resultiert daraus ein KGV19(e) von etwa 41. Somit scheint die Aktie auf KGV-Basis momentan deutlich überbewertet zu sein.

KGV-Chart – Tomra Systems, Stand 22.10.2019

Auch im KGV-Chart wird deutlich, dass der Markt der Tomra Aktie seit Anfang 2017 ein steigendes Gewinn-Multiple zugesteht, welches mit über 50 im Juni 2019 erst einmal sein Maximum gefunden hat. Zuvor pendelte das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 2011 bis 2017 eher um die 20.

Der Blick auf die historische Dividendenrendite zeigt, dass die Aktie von Tomra Systems über 5 Jahre eine durchschnittliche Dividendenrendite i.H.v. 2,45 % (ohne Sonderdividende 2,22 %) lieferte. Auf Basis der Gewinnschätzung für 2019 und der Dividende-Guideline des Managements, dass im Mittel 50 % des Gewinns je Aktie als Dividende ausgeschüttet werden sollen, rechne ich für 2019 mit einer Dividende i.H.v. 2,85 NOK. Dies führt basierend auf dem aktuellen Preis von etwa 236 NOK pro Aktie wiederum zu einer DivR19(e) von etwa 1,20 %. Auch auf Basis der historischen Dividendenrendite scheint die Aktie damit aktuell überbewertet zu sein. Dieses Bild wird ebenfalls vom DivR-Chart untermauert, welcher bereinigt um die Sonderdividende, die abnehmende Dividendenrendite klar verdeutlicht.

DivR-Chart, bereinigt um Sonderdividende – Tomra Systems, Stand 22.10.2019

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Zusammenfassung

Tomra Systems, einer der weltweit führenden Anbieter von Technologien für Sortierverfahren und Prozessanalysen, überzeugt mit seinen Kennzahlen in den Bereichen finanzielle Stabilität, Profitabilität und Wachstum. Allerdings scheint die Aktie trotz Wachstumsraten von 9 bis 13 % p.a. mittlerweile sehr ambitioniert bewertet zu sein. So liegt das aktuelle KGV etwa 75 % über dem durchschnittlichen KGV der letzten 5 Jahre und auch die aktuelle Dividendenrendite ist mit etwa 1,2 % gerade einmal halb so hoch, wie die durchschnittliche Dividendenrendite der letzte 5 Jahre.

Auf Grund des sehr interessanten, zukunftsfähigen Geschäftsmodells werde ich Tomra Systems auf meine Watchlist aufnehmen. Für eine erste Position darf der Preis aber gern noch etwas nachgeben. Ein KGV von 30 wäre toll. Dies entspricht einem Kurs von etwa 170 NOK.

Was haltet ihr vom vorgestellten Unternehmen? Könntet ihr euch einen Einstieg vorstellen, wenn der Preis stimmt, oder habt ihr das Unternehmen sogar schon im Depot?

Wenn euch der Beitrag gefallen hat, lasst gern einen Kommentar da. Auch über konstruktive Kritik freue ich mich sehr. Gern könnt ihr diesen Artikel sowie den Whirlwind-Investing Blog auch an Gleichgesinnte weiterempfehlen.

Viele Grüße,
Whirlwind.

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4 Kommentare

  • Avatar Kiev

    Hi,

    Die Aktie ist auch auf meinem Radar aufgetaucht… Für mich darf es aber ein wenig weiter nach unten gehen, damit ich die deutliche Unzerbewertung auch richtig gut erkennen kann. Hast Du Dir einmal CFL angesehen? Wie beurteilst Du diese Aktie? Das ist vielleicht etwas schwieriger zu analysieren. Ich habe davon ein paar gekauft und warte ab. Heute werden die Earnings Q3 veröffentlicht. Vielleicht geht es noch einmal runter. Oder nicht.. Ich werde sie halten bis die Wirtschaft wieder anzieht und sich die Nachfrage nach Iron ihre erholt.

    Ich habe natürlich nur eine kleine Position eröffnet.

    • Hallo Kiev,

      ab welchem Multiple bzw. ab welchem Preis wird Tomra für dich interessant?

      Meinst du mit “CLF” Cleveland-Cliffs, WKN A2DVSM? Was begeistert dich an der Aktie? Vor 3 Jahren lag der Preis bei knapp unter 6 USD, heute liegt er bei 7,14 USD. Das heißt knapp 19 % in drei Jahren, zzgl. der Dividende. Innerhalb von diesem 3 Jahreszeitraum lag der Preis aber auch schon bei knapp 13 USD. Die Volatilität ist enorm und eine Bewertung tatsächlich nicht einfach. Bei Zyklikern sollte man sich halt den zyklusbereinigten Gewinn anschauen und auf dessen Basis bewerten. Ich werde mir bei Gelegenheit mal Gedanken machen, wie ich an solche Analysen rangehe. Das interessiert mich auch hinsichtlich der Bewertung der Attraktivität von BASF, Shell… Investments in Zykliker können schon sehr interessant / lukrativ sein, aber man sollte den Zyklus ganz genau verstehen und wissen, was man tut.

      Erst einmal schaue ich mir weitere stetig wachsende Unternehmen an und die Zykliker folgen später. 😉 Dennoch würde ich mich freuen, wenn du ab und an über deine Investments der Kategorie “CLF” berichtest. 🙂

      Viele Grüße,
      Whirlwind.

      • Avatar Kiev

        Hi Whirlwind,

        Ich schaue mir bei Aktien an, zu welchen Preis sie gerade angeboten werden. Was ich gerne hätte spielt keine Rolle. Bei den Charts von Dir würde mir eine Dividende um 3% gefallen. Ich bevorzuge allerdings auch stark gefallene Aktien. CLF ging heute auch schon hoch und runter. Hier sind sich die Anleger wohl nicht einig, ob es aktuell eher günstig oder teuer ist. Ich kam auf CLF, da ich in Rohstoffe investieren wollte. Ich habe mir angesehen was es ausser RIO und BHP noch so gibt.
        Ich habe auch ARX gekauft. CXW steht bei mir auch unter Beobachtung. Die ist vielleicht wegen Trump Amtsunsicherheiten stark runtergegangen. Ich bin da unerschrocken, ob bei einer Neuwahl, die die Demokraten gewinnen könnten sich so viel wesentlich verschlechtern würde. Deutsche Wohnen habe ich auch beobachtet. Es ging Freitag leider nicht stark abwärts. Ich versuche zusätzlich Aktien zu erwischen, die nicht mit meinem Depot zu stark korrelieren. Das weiß man natürlich immer erst hinterher. Die Zykliker würde ich auch bei guten Gewinn verkaufen. Ebenso CXW, wenn die Angst verflogen ist.

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