Sherwin-Williams – Analyse vom 20.09.2019

In der heutigen Analyse geht es um das Unternehmen Sherwin-Williams – Symbol SHW – welches ich mir basierend auf meiner kennzahlenbasierten Bewertungssystematik genauer angesehen habe.

Allgemeines zur Aktie und zum Unternehmen

Die Sherwin-Williams Company ist ein primär in Nord- und Südamerika operierendes Chemieunternehmen, welche bereits im Jahre 1866 gegründet wurde. Das Unternehmen produziert, vertreibt und vermarktet Farben, Lacke und Baustoffe an Industrieunternehmen, Handwerken, Einzelhändler und Endkunden. Zudem betreibt das Unternehmen auch einige Fachgeschäfte. Nach dem Global Industry Classification Standard wird das Unternehmen dem Sektor der Grundstoffe (= Materials) zugeordnet.

Die Aktie von Sherwin-Williams wird unter der internationalen Wertpapierkennnummer (ISIN) US8243481061 bzw. unter der Wertpapierkennnummer (WKN) 856050 gehandelt und ist aktuell im S&P 500 gelistet.

Aktien-Dashboard und Qualitätsfaktoren

Das Geschäftsjahr von SHW beginnt am 01.01. und endet am 31.12. Unter Berücksichtigung des abgeschlossenen Fiskaljahrs 2018 ergibt sich mit Stand 20.09.2019 folgendes Dashboard zur Aktie:

Dashboard zur Sherwin-Williams Aktien
Sherwin-Williams – Whirlwind-Investing Analyse, Stand 20.09.2019

Positiv fällt bei Sherwin-Williams auf, dass die Umsätze und Gewinne für ein Chemieunternehmen mit 8 bis 11 Prozent pro Jahr vergleichsweise stark wachsen. Auch die Gewinnkontinuität über 10 Jahre liegt mit 0,9 in einem sehr guten Rahmen. Der Kennwert der 5-Jahres Gewinnkontinuität wird vor allem durch den unverhältnismäßig hohen 2017er Gewinn nach Steuern verzerrt. So stecken in dem Gewinn je Aktie des Jahres 2017 i.H.v. 18,60 USD gut 7 USD auf Grund des Einmaleffekts durch die US-Steuerreform. Dadurch wirkt es weiterhin so, als wäre der Gewinn je Aktie im Jahr 2018 verhältnismäßig stark eingebrochen. Solche Besonderheiten gilt es immer wieder zu berücksichtigen, wenn man sich hauptsächlich auf Kennzahlen konzentriert.

Eine weitere Besonderheit fällt auf, wenn man sich die Entwicklung des Fremdkapitals über die Jahre 2016 bis 2018 anschaut. So betrug das gesamte Fremdkapital im Jahr 2016 noch unter 5 Mrd. USD bzw. die Eigenkapitalquote 27,8 %. Dagegen belief sich das Fremdkapital im Jahr 2017 plötzlich auf über 16 Mrd. USD (EKQ = 18,5 %) und im Jahr 2018 noch immer über 15 Mrd. USD (EKQ = 19,5 %). Was war passiert?

Sherwin-Williams hat im Jahr 2017 den Rivalen Valspar für knapp 9 Mrd. USD übernommen. (Quelle: https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/sherwin-williams-lackhersteller-kauft-rivalen-valspar/13347448) Dafür hat das Unternehmen u.a. Bonds i.H.v. 6 Mrd. USD mit Laufzeiten von 3, 5, 7, 10 und 30 Jahren und einem gemischten durchschnittlichen Zinssatz von ca. 3,2 % platziert. (Quelle: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20170601_OTS0371/sherwin-williams-vollzieht-erwerb-von-valspar-und-schafft-weltweit-fuehrendes-unternehmen-bei-farben-und-beschichtungen)

Durch diese Übernahme soll vor allem Ausweitung der Geschäfte in den Regionen Asien-Pazifik, Europa. Nahost und Afrika schneller vorantreiben werden, was ich als durch aus positiv betrachte. Daher ist es meiner Meinung nach auch akzeptabel, dass die Schuldentilgungsdauer einige Jahre mit knapp 8 Jahren über meiner Schwelle von maximal 5 Jahren liegt.

Aktuell zahlt Sherwin-Williams eine Quartalsdividende von 1,13 USD, was einer annualisierten Dividendenrendite von 0,83 % beim aktuellen Preis der Aktie von etwa 545 USD entspricht. Die Dividende von Sherwin-Williams wuchs die letzten 5 Jahre im Durchschnitt über 11 % pro Jahr, wobei die durchschnittliche Ausschüttungsquote über 3 Jahre unter 25 % betrug.

Performance im Vergleich

An dieser Stelle folgt ein Blick auf die Performance der letzten Jahre. Die Total-Return-Rendite über die letzten 5 Jahre, d.h. Kauf der Aktie von Sherwin-Williams zum mittleren Kurs 2013 und Verkauf zum mittleren Kurs 2018, beträgt inkl. Berücksichtigung der gezahlten Dividenden durchschnittlich 19,32 pro Jahr.

Damit hat sich der Kurs des Unternehmens deutlich besser entwickelt, als der breite S&P 500, was ich für ein Unternehmen aus dem eigentlich zyklischen Materials-Sektor überordentlich erstaunlich finde.

5-Jahres Kursverlauf – Sherwin-Williams verglichen mit dem S&P 500 Kurs-Index, Stand 20.09.2019, Quelle: ariva.de

Risiko: Ergebnisse in der letzten Krise

Allgemeinhin wird an der Börse zur Quantifizierung des Risikos die Volatilität verwendet. Dabei zeigt die Volatilität die Schwankungsintensität des Preises einer Aktie innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Je höher die Volatilität eines Wertpapiers, umso stärker schlägt der Kurs nach oben und unten aus und desto riskanter ist eine Investition in selbiges.

Langfristig orientierten Investoren kann die Schwankung des Preises jedoch im Grunde genommen weitestgehend egal sein, da der Preis letztlich nur beim Kauf, beim Nachkauf oder beim Verkauf eine Rolle spielt. Das Hauptrisiko für einen Langfristanleger ist meiner Meinung nach dagegen, dass das Unternehmen auf Grund einer langanhaltenden fundamentalen Schwäche irgendwann in ernste Zahlungsschwierigkeiten gerät und infolgedessen Insolvenz anmelden muss. Daher schaue ich mir zur Beurteilung des Risikos hier noch einmal gezielt die fundamentalen Daten an und besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Dabei konzentriere ich mich vor allem auf die Kennzahl des operativen Gewinns (EBIT). Wesentliche Fragen sind für mich an dieser Stelle:

  • Musste das Unternehmen in der letzten Krise einen Verlust ausweisen (EBIT < 0)?
  • Betrug der Gewinnrückgang in den Jahren der Krise > 50 %?
  • Wie viele Jahre dauerte es nach einem signifikanten Gewinnrückgang, bis der operative Gewinn wieder auf Vorkrisenniveau oder darüber lag?

In dem von mir betrachteten Zeitraum seit 2006, in welchem u.a. die Weltfinanzkrise 2008/2009 liegt, konnte Sherwin-Williams stets positive operative Gewinne (EBIT) berichten. Des Weiteren gab es in diesem Zeitraum bis heute keinen Gewinnrückgang auf Basis der Kennzahl Gewinn je Aktie (EPS) > 50 %. Der maximale Gewinnrückgang in dieser Zeit bezogen auf das EPS betrug sogar weniger als 25 %, von 4,84 USD/Aktie in 2007 über 4,08 USD/Aktie in 2008, auf 3,84 USD/Aktie in 2009, wobei bereits im Jahr 2012 schon wieder 6,15 USD/Aktie berichtet wurden. Damit hat das Unternehmen lediglich 3 Jahre benötigt, um einen wesentlichen Gewinnrückgang wieder aufzuholen.

Ganz zum Schluss werfe ich nun doch noch einen Blick auf die Drawdowns, d.h. den prozentualen Abstand des Kurses vom letzten Hoch, da dies einen Eindruck vermittelt, mit welchen Buchverlusten Investoren von SHW in der Vergangenheit umgehen mussten.

Sherwin-Williams Maximum-Drawdown
Maximum-Drawdown – Sherwin-Williams, Stand 20.09.2019

Tatsächlich betrug der maximale Kursrückgang der Aktie seit 2008 lediglich einmalig über 30 % und zwar im Rahmen der Weltfinanzkrise. In den übrigen Jahren seit 2009 betrug der maximale Drawdown lediglich maximal 25 %. Das empfinde ich als relativ gering.

Aktuelle Bewertung in Relation zur historischen Bewertung

Zum Schluss werfe ich an dieser Stelle bekanntermaßen einen Blick auf die aktuelle Bewertung der Aktie, vor allem im Vergleich zur eigenen historischen Bewertung auf Basis des KGVs und der Dividendenrendite.

Im Durchschnitt der letzten 5 Jahre wurde Sherwin-Williams ein KGV von knapp 25 vom Markt zugestanden. Laut Seelking Alpha erwarten die Analysten für das Fiskaljahr 2019 einen Gewinn je Aktie i.H.v. 21 USD. Basierend auf dem aktuellen Preis von etwa 545 USD entspricht dies einem KGV19(e) von etwa 26. Somit ist die Aktie momentan annährend fair bewertet. Wie der KGV-Chart jedoch zeigt, wird das durchschnittliche KGV jedoch etwas durch die Sondersituationen der letzten Jahre (US-Steuerreform, Valspar-Übernahme) verzerrt. Die nächsten Jahre werden zeigen, um welchen Bereich sich das KGV einpendelt.

Sherwin-William KGV-Chart
KGV-Chart – Sherwin-Williams, Stand 20.09.2019

Klammert man das Jahr 2018 im KGV-Chart aus, dann bewegt sich der Preis historisch zumeist zuverlässig zwischen dem 20- und dem 25-fachen Gewinn. Unter diesem Blickwinkel ist die Aktie mit einem erwarteten 2019er KGV von 26 zumindest im oberen Bereich der Range bewertet.

Ein Blick auf die historische Dividendenrendite zeigt, dass Sherwin-Williams über 5 Jahre eine durchschnittliche Dividendenrendite i.H.v. 1 % lieferte. Wie bereits geschrieben, beträgt die aktuelle annualisierte Dividendenrendite momentan etwa 0,83 %. Damit erscheint die Aktie auf Basis der historischen Dividendenrendite aktuell eher hoch bewertet zu sein.

Sherwin-Williams DivR-Chart
DivR-Chart – Sherwin-Williams, Stand 20.09.2019

Wie der DivR-Chart zeigt, bewegt sich die Dividendenrendite seit 2013 tatsächlich mehr oder weniger eng um 1 %. Möchte man daher gern einen Anteil am Unternehmen besitzen, könnte man daher geduldig abwarten, bis die Dividendenrendite zumindest wieder etwas über 1 % beträgt.

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Zusammenfassung

Auf Grund des vergleichsweise hohen Wachstums finde ich Sherwin-Williams als mögliches Investment im Chemiesektor sehr interessant. Durch die im Jahr 2017 erfolgte Übernahme des Rivalen Valspar soll das Geschäft mit Farben, Lacken und Baustoffen nun auch über den amerikanischen Kontinent hinaus nach Asien-Pazifik, Europa. Nahost und Afrika ausgeweitet werden. Für eine endgültige Entscheidung werde ich aber zumindest noch die Zahlen des 2019er Fiskaljahr abwarten. Vor allem interessiert es mich, ob die Analystenschätzung für einen Gewinn je Aktie über 20 USD tatsächlich erreicht werden und ob es weiter gelingt die Verschuldung zu reduzieren.

War euch das Unternehmen Sherwin-Williams bereits ein Begriff oder habt ihr es sogar im Depot? Wie hat euch die Analyse im Allgemeinen gefallen? Ich freue mich wie immer über eure Kommentare und Hinweise.

Viele Grüße,
Whirlwind.

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