Sektor-Performance: „Technology is eating the world“ – Und was kommt dann?

Im folgenden Beitrag geht es um die Sektor-Performance bezogen auf die GICS-Sektoren und die Frage, ob auch andere Sektoren hinsichtlich Rendite und Risiko dem Technologie-Sektor das Wasser reichen können.

Vor gut 8 Jahren ist das Essay „Why Software Is Eating The World“ von Marc Andreessen erschienen. Hierin beschreibt der Autor, wie die Big Player der Technologiebranche die anderen Sektoren aufmischen und warum es ihnen gelingt, die etablierten Platzhirsche von Ihrem Thron zu werfen.

Auch heute noch hat man das Gefühl, dass die Welt im Griff der großen Tech-Giganten Amazon, Microsoft, Apple, Facebook und Alphabet ist. Und auch die Medien verbreiten dieses Gefühl. Aber zeigt dies auch die Performance der verschiedenen Branchen an der Börse? Darauf habe ich kürzlich einen Blick geworfen und die Ergebnisse meiner Beobachtung hinsichtlich der Sektor-Performance, aber auch der Volatilität der einzelnen Branchen, möchte ich in folgendem Beitrag mit euch teilen.

Bei der Unterteilung des Marktes in Sektoren orientiere ich mich hierbei am Global Industry Classification Standard, wie er 1999 von MSCI und Standard & Poor’s in Leben gerufen wurde. Der GICS unterteilt den Markt Stand 2018 in 11 Sektoren, 24 Industriegruppen, 69 Industrien und 158 Unterindustrien. Die 11 Sektoren werden in folgender Abbildung dargestellt:

11 Sektoren nach MSCI GICS-Einteilung
GICS-Sektoren, Quelle: https://www.msci.com/gics

Die letzten Änderungen am Global Industry Classification Standard fanden Ende September 2018 statt, als u.a. der Telekommunikationsdienstleistungssektor in Kommunikationsdienstleistungssektor umbenannt wurde, wodurch auch die Industriegruppe Medien von einst dem Nicht-Basiskonsumgütersektor in den Kommunikationsdienstleistungssektor umgesiedelt wurde. Somit gehören die Media- und Entertainmentunternehmen Walt Disney und Netflix nun nicht mehr dem Nicht-Basiskonsumgütersektor an, sondern dem Kommunikationsdienstleistungssektor. Weiterhin werden nun auch ehemalige Tech-Größen wie Alphabet und Facebook nicht mehr im Technologiesektor geführt, sondern im Kommunikationsdienstleitungssektor.

Weiterhin habe ich für meinen Vergleich passende marktbreite Investmentwerkzeuge gesucht und bin dabei auf die Sektoren-ETF-Reihe von Xtrackers gestoßen, die basierend auf dem MSCI World für 10 der 11 Sektoren passende passive Investmentfonds im Angebot hat. Einzig für den Immobiliensektor greife ich auf einen ETF von VanEck, den VanEck Think Global Real Estate UCITS ETF zurück. Die folgende Abbildung gibt einen Überblick über die für den Vergleich verwendeten ETFs, inkl. Angaben der ISIN, zur Ertragsverwendung und zu den Top 5 größten Positionen zum Stand 31.07.2019:

Übersicht über Anlageprodukt je Sektor, inkl. der Top 5 Positionen, Stand 31.07.2019

Hierbei fällt auf, dass laut MSCI der Versandhändler und Cloud-Anbieter Amazon nicht dem Informationstechnologiesektor, sondern dem Nicht-Basiskonsumgütersektor zugeordnet wird. Dies sollte unbedingt bei der Interpretation der 3-Jahres Performance der jeweiligen Sektoren beachtet werden, welche im Folgenden dargestellt ist.

3-Jahres Performance der GICS-Sektoren, Stand 07.09.2019

Die Angaben der Sektor-Performance der Xtrackers ETFs habe ich zum Stand 07.09.2019 dem Finanzportal ariva.de und für den VanEck Immobilien-ETF von justetf.com entnommen. Dabei wird bei justetf.com auch für ausschüttende ETFs die Total-Return Rendite inkl. der ausgeschütteten Erträge angegeben, wodurch eine Vergleichbarkeit mit den thesaurierenden ETFs gewährleistet ist.

Tatsächlich ist für den betrachteten 3-Jahres Zeitraum ersichtlich, dass der Technologie- bzw. Informationstechnologie-ETF mit über 80 % die anderen Sektoren um Welten geschlagen hat, gefolgt vom Nicht-Basiskonsumgütersektor mit gut 42 %, wobei allein Amazon eine 3-Jahres Performance von 137,71 % beigesteuert hat und dem Versorgersektor mit knapp 32 %, was mich zugegebenermaßen überrascht hat. Die geringste 3-Jahres Rendite lieferte der Energie-Sektor, mit nicht einmal 1 %, wohlgemerkt inkl. Dividenden.

Zum Schluss werfe ich noch einen Blick auf das Risiko, welches ich mit Hilfe der 1-Jahres Volatilität der einzelnen Produkte bemessen habe. Die Volatilität ist dabei ein Maß für die Schwankungsanfälligkeit eines Investments. Sie misst für den gewählten Zeitraum die Schwankungsbreite der Fondsrenditen um den Mittelwert. Allgemeinhin gilt, dass je höher die Volatilität, desto risikoreicher ist die Anlage.

1-Jahres Volatilität der GICS-Sektoren
1-Jahres Volatilität der GICS-Sektoren, Stand 07.09.2019

Ähnlich dem Ranking der Sektor-Performance hat der Informationstechnologie mit knapp 22 % die höchste Volatilität bzw. das höchste Risiko. Es folgen der Energie-Sektor mit 17,5 % und der Nicht-Basiskonsumgüter-Sektor mit 15,6 %. Die geringste Schwankungsanfälligkeit hat der Basiskonsumgüter-Sektor mit gerade einmal 10 % zu verzeichnen.

Folgende Abbildung fasst noch einmal die jeweiligen Top 3 und Flop 3 Platzierungen hinsichtlich der 3-Jahres Performance und der 1-Jahres Volatilität zusammen.

Top 3 und Flop 3 bei Sektor-Performance und -volatilität
Top 3 und Flop 3 basierend auf Performance und Volatilität

Zusammenfassend ist zu sagen, dass Investoren in den letzten 3 Jahren tatsächlich mit dem Informationstechnologie-Sektor die meiste Rendite erwirtschaften konnten, wofür jedoch zumindest auf 1-Jahressicht auch die meisten Schwankungen ertragen werden mussten. Dem Performance-Erfolg des Technologie-Sektors folgen der Nicht-Basiskonsumgüter- und der Versorger-Sektor, dessen Erfolg mich persönlich am meisten überrascht hat. Mies abgeschnitten hat dagegen der Energie-Sektor, welcher sowohl die geringste 3-Jahres Performance erreicht, als auch das höchste Risiko, gemessen an der 1-Jahres Volatilität, verursacht hat. Am ruhigsten schlafen konnten dagegen Investoren im Basiskonsumgüter-, sowie im Versorger- und Immobilien-Sektor. Diese Sektoren werden ohnehin oft als „sichere Häfen“ in unruhigen Zeiten genannt.

Welche Schlüsse zieht ihr aus den Ergebnissen zur Sektor-Performance und der jeweiligen Volatilität der Branchen? Teilt ihr euer Portfolio gezielt nach Sektoren auf, wobei ihr Risikokennzahlen und die historische Performance der Sektoren berücksichtigt?

Viele Grüße,
Whirlwind.

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7 Kommentare

  • Pingback: Meine Sektorallokation für das „Aktien-Sammler Reloaded“-Depot | Whirlwind-Investing

  • Avatar Sir0

    Hallo Whirlwind,
    danke für die interessante Seite, sie gefällt mir vom Aufbau und natürlich vom Inhalt ausgezeichnet. 🙂
    Ab welcher Depotgröße würdest du eine Berücksichtigung der Sektoren als sinnvoll erachten? Bei meinem kleinen Depot habe ich bisher nicht drauf geachtet, da mir gefühlt die Beträge einfach zu gering sind. Wenn ich hier nach Sektoren und Ländern aufteilen würde und evtl. noch jeweils mehr als 1 Firma im Depot haben wollte, würden da relativ überschaubare Positionen bei rauskommen. 😉
    Viele Grüße

    • Hallo Sir0,

      erst einmal herzlich willkommen auf dem Whirlwind-Investing Blog, vielen Dank für deinen Kommentar und das Lob von dir. 🙂

      Prinzipiell solltest du dich mit jedem deiner Investments wohlfühlen und eine Aktie keinesfalls nur deswegen ins Depot nehmen, weil sie einem ggf. unterrepräsentierten Sektor zugeordnet wird. Schließlich werden die Sektorzuordnungen teilweise auch mal angepasst und durcheinandergewürfelt.

      Was ich mit dem Beitrag bezwecken wollte, ist aufzuzeigen, dass die unterschiedlichen Sektoren unterschiedliche Ergebnisse hinsichtlich Rendite und Volatilität aufweisen und das zumindest aus meiner Sicht eine Streuung über mehrere Sektoren sinnvoll ist. Dabei müssen nicht zwangsweise alle Sektoren repräsentiert sein. Ich persönlich vernachlässige beispielsweise aktuell die REITs und die Versorger, da mir hier momentan noch der Zugang fehlt um entscheiden zu können, welches Investment sich lohnen könnte.

      Auch hängt die Sektorenauswahl wesentlich von deiner Strategie ab. Verfolgst du eine Buy&Hold-Strategie oder versuchst du beispielsweise mittels Momentum-Strategie auf aktuell gut laufende Aktien zu setzen.

      Weiterhin würde ich die Sektorallokation nicht von der Depotgröße abhängig machen. Ich schaue eher, dass die Kaufnebenkosten prozentual nicht ausufern. Mehr als 1 % vom Ordervolumen sollten es i.A. nicht sein. Es spricht meiner Meinung nach auch nichts dagegen, bei günstiger Gelegenheit erst sämtliche Wunschaktien aus einem Sektor abzuarbeiten, wenn sie gerade niedrig bewertet sind und Stück für Stück zu diversifizieren. Zum Beispiel waren Basiskonsumgüterunternehmen im Q2-2018 relativ günstig bewertet und Technologieaktien eher im Q4-2018.

      Ich selbst plädiere für eine Watchlist mit interessanten Unternehmen und dann heißt es geduldig sein und einen annährend passenden Moment für den Einstieg abzuwarten.

      Ich hoffe, ich konnte dir etwas weiterhelfen.

      Viele Grüße,
      Whirlwind.

  • Avatar Sir0

    Danke für die Rückmeldung. Ja, es wäre in der Tat eine Möglichkeit, sich peu a peu die Sektorverteilung zusammenzukaufen, abhängig davon, was gerade im Angebot ist. Ich denke, ich werde mir mal Gedanken darüber machen, welche Verteilung ich gerne hätte und mich dann schlau machen, welche Firmen ich in den einzelnen Sektoren gerne im Depot liegen hätte.
    Ich bin bei der ING, da kommt es in der Regel schon hin mit den < 1%. Freetrades wären allerdings natürlich noch schöner. 😉
    Viele Grüße
    Sir0

    • Hallo SirO.

      Klingt ja, als hätte ich dir etwas weiterhelfen können. Freut mich. 🙂
      Ich denke, dass ist ein guter Weg, den du da beschreibst. Ähnlich habe ich es auch gemacht bzw. wieder vor.
      Zuerst eine klare Struktur erstellen, in welche Wertpapierklasse(n) investiert werden soll und zu welchem Anteil.
      Anschließend eine Watchlist mit konkreten Aktien, Produkten, etc. erstellen und bei passender Gelegenheit zugreifen.
      Bloß nicht verzetteln und nichts überstürzen.

      Wenn du magst, kannst du bei Gelegenheit gern deine Ziel-Aufteilung und deine konkrete Auswahl hier posten. 🙂
      Vielleicht entsteht daraus eine rege Diskussion. Ich werde in der Zwischenzeit wohl weiter interessante Unternehmen vorstellen. 🙂

      Viele Grüße,
      Whirlwind.

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