Ist Value-Investing tot?

Finanzrocker-Podcast Episode #160 – Interview mit Christian W. Röhl

„Ist Value-Investing tot?“ – diese Frage stellt Daniel Korth aka Finanzrocker seinem Interview-Gast Christian W. Röhl – Investor, Betreiber der Webseite Dividendenadel.de und Mit-Protagonisten im YouTube-Format Echtgeld.tv – in der aktuellen Episode des Finanzrocker-Podcasts #160. Wie gewohnt, beantwortet Christian W. Röhl auch diese Frage differenziert und tiefgründig, weswegen es sich aus meiner Sicht auch lohnt an dieser Stelle explizit auf dieses Thema hinzuweisen und gleichzeitig Christians durchdachte Ansicht hier auf dem Blog festzuhalten.

Value-Investing ist natürlich nicht tot

Um es gleich vorweg zu nehmen: Nein, Value-Investing im Sinne eines werthaltigen Investierens ist natürlich nicht tot. Dagegen ist jedoch das rein formelbasierte Value-Investing extrem kritisch zu sehen. So hat das, was man früher als „Value“ bezeichnet hat, d.h. niedrige Bewertung in Gestaltung eines niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) bzw. eines geringen Kurs-Buchwert-Verhältnisses (KBV) heute fast den Charakter einer Resterampe.

„[…] sprich niedrige Bewertung aus gutem Grund.“
– Christian W. Röhl –

Die Aussage, dass Value-Investing generell tot ist, hält Christian W. Röhl für verfrüht. Erledigt ist seiner Meinung nach allerdings das formelbasierte Value-Investing, bei dem z.B. nur die Aktien ausgewählt werden, bei denen das KBV, das KGV und die Dividendenrendite jeweils im besten Quartil liegen (d.h. KBV u. KGV gering, DivR hoch). Den Grund dafür findet man, wenn man sich die einzelnen Multiples bzw. deren Bestandteile genauer anschaut:

Kurs-Buchwert-Verhältnis

Bei der Berechnung des Kurs-Buchwert-Verhältnisses wird der Kurs einer Aktie durch den Buchwert eines Unternehmen, genauer dem Buchwert je Aktie, geteilt. Das Problem hierbei ist, dass der Buchwert heute kaum noch aussagekräftig ist. Moderne, wachstumsstarke Technologieunternehmen haben oftmals verhältnismäßig geringe Buchwerte. So kann beispielsweise selbstentwickelte Software zwar aktiviert und damit in die Bilanz des Unternehmens aufgenommen werden. Wie aber sollen die heute extrem wichtigen und wertvollen Netzwerkeffekte bilanziert werden? Durch die moderne Plattformökonomie stößt der Buchwert einfach an seine Grenzen.

Kurs-Gewinn-Verhältnis

Analog zum KBV wird auch das KGV ermittelt, indem der Kurs der Aktie durch den Gewinn je Aktie (kurz EPS) des Unternehmens geteilt wird. Das Problem hierbei: Welcher Gewinn soll verwendet werden? Der Gewinn des letzten abgeschlossenen Fiskaljahres steht zwar definitiv fest, ist jedoch wenig aussagekräftig, wenn es um das laufende Geschäftsjahr geht. Und gerade in Zeiten von Corona sind zukünftige Gewinne extrem schwierig prognostizierbar.

Dividendenrendite

Die Dividendenrendite wird schließlich berechnet, indem man die Dividende je Aktie durch den Aktienkurs teilt und anschließend mit 100 multipliziert. Leider kommen hohe Dividendenrenditen jedoch oftmals nicht dadurch zustande, dass die Dividende besonders stark gesteigert wurde, sondern weil der Kurs der Aktie deutlich nachgegeben hat. In diesem Sinne ist eine hohe Dividendenrendite daher eher eine Art Warnsignal.

Wertorientiertes Investieren

Verwenden wir den Begriff Value-Investing jedoch als Synonym für wertorientiertes Investieren bzw. Investieren in qualitativ hochwertige Unternehmen, wie ich es auch favorisiere, dann hat das wenig mit niedrigen KBVs und KGVs sowie möglichst hohen Dividendenrenditen zu tun, sondern mit der Philosophie des unternehmerischen Investierens und das ist mit stark wachsenden Unternehmen genauso möglich, wie mit stetig und langsam wachsenden Unternehmen.

Hierbei steht klar die fundamentale Qualität des Unternehmens im Vordergrund, d.h. eine solide Bilanz sowie ein stabiles Geschäftsmodell, gekennzeichnet durch positive Kapitalrenditen und stetig wachsende Umsätze, Cashflows und Gewinne. Der Preis der Aktie in Relation zum Wert des Unternehmens steht dann allenfalls an zweiter Stelle. Ob man zur Einschätzung der aktuellen Bewertung schließlich doch auf Multiples im Vergleich zur unternehmenseigenen Historie oder zur Peer-Group, auf das Discounted-Cash-Flow-Modell (DCF) oder auf andere Verfahren zurückgreift, ist letztendlich jedem Anleger oder Investor selbst überlassen.

Lessons Learned

In der Quintessenz untermauert Christian W. Röhl mit seinen Worten meine Ansicht, die ich bereits im Beitrag über meine Investmentstrategie dargelegt habe. Ich möchte nicht Value oder Growth, sondern hauptsächlich unternehmerische Qualität zu einem vertretbaren Preis. Und ob diese Qualitätsunternehmen nun zu einem KGV zwischen 10 und 15 am Markt gehandelt wird, wie im Falle des Versicherungsriesen Allianz oder dem Chip-Giganten Intel, oder zu einem 30er KGV, wie beim führenden Softwareunternehmen Microsoft oder dem Haushaltswarenanbieter Church & Dwight, ist aus meiner Sicht zweitrangig. Viel wichtiger sind aus meiner Sicht Faktoren wie finanzielle Stabilität sowie kontinuierlich und stetig wachsende Umsätze, Cashflows und Gewinne.

Nun freue ich mich wie immer über eure Gedanken und Meinungen zum Thema. Wie steht ihr zum Value-Investing? Unterscheidet ihr bei eurer Anlagestrategie zwischen Value, Growth und Quality, oder habt ihr andere Klassifizierungsmerkmale? Lasst dazu gern einen Kommentar da.

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Viele Grüße,
Whirlwind.

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Transparenzhinweis: Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrages halte ich Aktien von Church & Dwight, Intel, Microsoft sowie der Allianz. Fernen beabsichtige ich jedoch nicht innerhalb der nächsten 48 h nach Veröffentlichung dieses Beitrages weitere Transaktionen in die erwähnten Wertpapiere zu tätigen.

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3 Kommentare

  • Avatar Daniel

    Hallo Whirlwind,

    ich halte allein formelbasiertes Investieren auch nicht für sinnvoll.

    Ein anderer Ansatz, um unternehmerische Qualität zu finden wäre direkt die Qualität des Geschäftsmodells und des Managements zu beurteilen. Inwieweit berücksichtigst du diese Punkte? Und welche Ansätze oder Bücher könntest du hierzu evtl. empfehlen?

    • Hallo Daniel,

      vielen Dank für deinen Kommentar und deine Frage.

      Grundsätzlich konzentriere ich mich bei meinen kennzahlenbasierten Unternehmensanalysen primär auf die objetiv darstellbaren Kennzahlen, die sogenannten Hardfacts. Ich schaue mir zwar auch qualitätive Faktoren an, wie das Geschäftsmodell, evtl. Burggräber sowie die Zusammensetzung und die Verhaltensweisen des Managements, fühle mich in dieser Hinsicht jedoch nicht kompetent genug, um darüber öffentlich zu berichten bzw. diese zuverlässig zu beurteilen. Da spielen meiner Meinung nach doch zu viele subjektive Aspekte mit rein. Zum Beispiel wann betrachtet man eine Marke als Burggraben?

      Als konkrete Literaturempfehlung fallen mir in diesem Zusammenhang die Bücher von Phil Town „Regel Nummer 1 – Einfach erfolgreich anlegen(*) und „Jetzt aber! Erfolgreich anlegen in 8 Schritten.(*) ein, in denen der Autor neben der quantitativen Bewertung auch verstärkt auf die Bewertung qualitativer Softfacts eingeht. „Regel Nummer 1“ verfolgt zudem einen etwas stärkeren Timing-Aspekt, in dem technische Werkzeuge (wie MACD, etc.) dafür genutzt werden, verhältnismäßig günstige Handelsgelegenheit zu finden. Hier habe ich Regel Nummer 1 kurz zusammengefasst. Bei „Jetzt aber!“ steht im Gegensatz dazu eher das Hamstern, im Sinne von Sammeln, wunderbarer Unternehmen im Vordergrund.

      Ich habe dir mal zwei Auszüge aus dem Buch „Jetzt aber!“ hochgeladen, damit du einen Eindruck über den Schreibstil von Phil Town bekommen kannst:

      Auszug „Jetzt aber!“ zum Thema Geschäftsmodell/Burggräben

      Auszug „Jetzt aber!“ zum Thema Management

      Vielleicht hilft dir das schon einmal weiter.

      Viele Grüße,
      Whirlwind.

  • Avatar Daniel

    Hi Whirlwind,

    gerade weil qualitative Faktoren so subjektiv und eher schwer zu greifen sind, finde ich diesen Bereich ebenso spannend. Schließlich kann ich mir vorstellen, dass es vielen Investoren so ähnlich geht.

    Danke dir für die Buchauszüge, sehr hilfreich 🙂

    VG

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