Die PV-Challenge – Photovoltaik-Anlage vs. Anlage in Qualitätsaktien

Unser Nachbar Martin, der ebenso wie wir vor kurzem mit seiner Familie in sein neu gebautes Einfamilienhaus eingezogen ist, hat bei seinem Bau offensichtlich großzügiger kalkuliert als wir, sodass nun noch einige Euro übrig sind. Daher plant er, etwa 10.000 € in eine 4,34 kWp Photovoltaik-Anlage – kurz PV-Anlage – zu investieren. Trotz dass ich von Berufs wegen im Energiebereich tätig bin, stehe ich solchen Anlagen eher skeptisch gegenüber.

Das Ziel von Martin (und natürlich seiner Partner) ist jedoch, dass die eigene Luft-Wasser-Wärmepumpe direkt mit eigenerzeugtem Strom betrieben werden kann und so die jährlich Stromrechnung deutlich geringer ausfällt bzw. idealerweise sogar bis auf 0 gedrückt werden kann. Soweit, so nachvollziehbar.

Meine (kritischen) Gedanken zur PV-Investition

Bei mir kommt bei solchen Gedanken jedoch immer der Ingenieur durch. Daher ein kurzer Überschlag:

Da ich, wie bereits geschrieben, PV-Anlagen skeptisch gegenüber stehe, haben wir direkt beim Bau unseres Haus einen zweiten Stromzähler extra für unsere Wärmepumpe eingebaut. Für den Strom, den wir direkt zum Heizen einsetzen, gibt es spezielle Stromtarife. So zahlen wir aktuell für unseren „Heizstrom“, den wir momentan von der enviaM beziehen, aufgerundet 19 ct/kWh. Im ersten Halbjahr 2019 haben wir für die Heizung 2.143 kWh Strom bezogen. Für das Gesamtjahr rechne ich inkl. eines Sicherheitsaufschlages mit 5.000 kWh „Heizstrom“-Verbrauch. Das entspricht 950 € pro Jahr für die Heizung – für warme Räume und warmes Wasser für unsere 5-köpfige Familie. Für Martins PV-Investition i.H.v. 10.000 € können wir somit nach heutigen Konditionen gut 10 Jahre heizen.

Soweit die Theorie. Jedoch gilt nur in der Theorie, dass Theorie und Praxis gleich sind. In der Praxis schaut das allerdings oftmals anders aus. Daher anbei einige Einflussfaktoren:

  1. Nun sind die Strompreise natürlich nicht fix, sondern steigen zumindest die letzten Jahre zuverlässig.
  2. Auch das Thema CO2-Bepreisung in welcher Art und Weise auch immer wird sich wahrscheinlich nicht unbedingt positiv auf die kWh-Preise auswirken.
  3. Da Martin keinen extra „Heizstrom“-Zähler hat, zahlt er daher für die kWh aktuell 26 ct. Somit steigt für ihn der Wert der selbsterzeugten kWh im Vergleich zu dem Preis, den ich pro kWh zahle.
  4. Kann Martin in seinem Haus nicht die volle Menge an selbsterzeugter Elektroenergie nutzen und die Batterie ist auch voll, speist er den überflüssigen Strom wahrscheinlich ins öffentliche Stromnetz – zu unterschiedlichen Konditionen.
  5. Allerdings möchte eine PV-Anlage auch anständig gewartet und bei Defekten repariert werden.
  6. Und schließlich ist, wie man so liest, auch der Wirkungsgrad der Anlagen alles andere als konstant und somit z.B. von Witterung und Alter der Module abhängig.

Die Challenge

Dies führte mich zu dem Gedanken für folgende Challenge: Was wäre, wenn ich die gleichen ~ 10.000 €, die Martin guten Gewissens in seine PV-Anlage investiert, in einen Korb aus 10 – 15 Qualitätsaktien investiere? Mein Ziel wird es sein, mit Kursgewinnen und Ertragsausschüttungen die anfänglichen ~ 10.000 € zu mehren. Martins Ziel ist es dagegen, seinen Strom mit Hilfe der PV-Anlage zukünftig selber zu produzieren und die Investition durch seine geringeren Stromkosten mit der Zeit zu decken. Ist der Break-even erreicht, d.h. die PV-Anlage hat sich über die Jahre amortisiert, ist jede weitere erzeugte kWh für Martin Gewinn. Zu beachten sind jedoch die zusätzlichen Kosten für die Wartung und ggf. Instandsetzung nach Defekten. In regelmäßigen Abständen (z.B. quartalsweise) werden wir hier im Blog daher die Erträge und ggf. Verluste gegenüberstellen und vergleichen. Wer steht in 1, 3, 5, 7 und 10 Jahren besser da?

Und das sind die Regeln…

Zusammengefasst lauten die Regeln wie folgt:

  • Martin investiert ~ 10.000 € in seine Photovoltaik-Anlage. (Anm.: Tatsächlich sind es am Ende 10.365 € geworden, wie ihr an dieser Stelle nachlesen könnt.)
  • Ich investiere ebenfalls ~ 10.000 €, allerdings quartalsweise verteilt über 12 Monate, in (m)eine Auswahl an Qualitätsaktien. Mit Beginn am 01. Oktober 2019 werde ich somit bis 01. Juli 2020 insgesamt 4x ~ 2.500 € investieren. Die ausgewählten Aktien halte ich dann, ohne Wenn und Aber. (Martin kann seine PV-Anlage schließlich auch nicht mal hier und mal dort installieren.)
  • Martin produziert mit seiner PV-Anlage Tag für Tag wertvollen Solarstrom und bewertet diesen mit seinem kWh-Preis laut aktuellem Stromvertrag bzw. bei Einspeisung ins öffentliche Stromnetz mit den entsprechenden Konditionen. Dabei erhält er die Menge des produzierten bzw. eingespeisten Solarstroms komfortabel vom separaten Stromzähler seiner Anlage.
  • Ich erhalte regelmäßig Gewinnausschüttungen durch meine Investments.
  • Zusätzliche Kosten, die Martin für seine PV-Anlage aufwenden muss, z.B. für Wartung oder Reparatur, überweise ich ebenfalls auf das Depot-Verrechnungskonto.
  • Das Cash aus den Ertragsausschüttungen und das zusätzlich eingesparte Wartungs- und Reparaturkapital darf ich in weitere Aktien (re-)investieren, entweder gesammelt als Einmalkauf oder verteilt in Form von Sparplänen.

Diese Fragen wollen beantwortet werden…

Die Fragen, die sich im Rahmen dieser Challenge ergeben, lauten:

  • Wo stehen die jeweiligen Investments? Schlägt die PV-Anlage meine Aktienauswahl? Dazu wird es unterjährig – mindestens quartalsweise – Übersichten über die jeweiligen Erträge geben.
  • Wann wird Martins PV-Anlage den Break-even erreicht haben? Sind zu diesem Zeitpunkt noch alle meine (Qualitäts-)Aktien an der Börse gelistet? Oder mussten gar schon Unternehmen auf Grund von Zahlungsschwierigkeiten Konkurs anmelden?
  • Welche Kosten kommen zyklisch (z.B. Wartung) und azyklisch (z.B. Reparaturen) während des Betriebs der PV-Anlage zusätzlich auf Martin zu?
  • Wie schaut die Situation in 10 Jahren aus?

Was haltet ihr von dieser Challenge? Gibt es weitere Fragen, die euch diesbezüglich interessieren? Habt ihr bereits einen Tipp, wer die Challenge am Ende gewinnen wird? Ich freue mich auch an dieser Stelle auf eure Hinweise und Kommentare.

Sämtliche Beiträge, die unter der Kategorie PV-Challenge erschienen sind bzw. noch erscheinen werden, findet ihr unter Neues zur PV-Challenge

Auf das die Sonne auch zukünftig kräftig weiter scheint, die Anlagentechnik zuverlässig funktioniert und an den Börsen die Bullen die Bären öfter bezwingen, als umgekehrt.

Viele Grüße,
Whirlwind.

11 Kommentare

  • Hey, das ist doch mal ne neue Art von Challenge ;o) … ich bin gespannt, würde mein Geld aber wohl eher auf das Aktiendepot setzen.

    CU Ingo.

  • Avatar Little Joe

    Die Entsorgung der Module spielt keine Rolle?
    Ich bin selbst Hausbesitzer, und habe mir diese Frage auch schon öfters mal gestellt, bin aber bislang auch zu dem Schluß gekommen das Geld ins Depot zu packen!
    Bin auch gespannt wie sich die Challenge entwickelt!
    Ansonsten , danke dass du deine Infos öffentlich zur Verfügung stellst, find ich klasse!

    • whirlwind-investing whirlwind-investing

      Hallo Little Joe,

      vielen Dank für dein Feedback. Ja, die Entsorgung muss für eine ganzheitliche Betrachtung selbstverständlich auch berücksichtigt werden. Allerdings hoffe ich für meinen Nachbarn, dass die Anlage mindestens 20 Jahre mehr oder weniger störungsfrei ihren Dienst verrichtet. Und wer weiß, wie hoch dann die Kosten für die Entsorgung sind (Inflation, Lohn- und Verschrottungskosten, etc.). Falls wir die Challenge bis zum Lebensende der Anlage tatsächlich durchziehen, werden wir es an dieser Stelle berichten. 😉

      In den nächsten Tagen wird an dieser Stelle ein Artikel erscheinen, wie wir uns den Wirtschaftlichkeitsvergleich im Detail vorstellen. Ich freue mich, wenn ich dich als regelmäßigen Leser und Kommentarschreiber an dieser Stelle begrüßen darf. 🙂

      Hast du dir schon mal meine Bewertungssystematik angesehen? Wie ist deine Meinung dazu?

      Viele Grüße,
      Whirlwind.

  • Hi Daniel,

    richtig, richtig coole Challenge! Das werde ich mit großer Freude verfolgen. Das Thema PV-Anlage wird bei mir immer mal wieder beleuchtet, aber bislang konnte ich mich auch nie dazu durchringen und bin immer lieber der Aktien-Leidenschaft gefolgt. Aber vielleicht ist das irgendwann unter den Aspekt der Diversifikation mal eine Option. Leider werde ich die Entscheidung vor dem Ende eurer Challenge treffen und kann das Ergebnis nicht abwarten 🙂

    Viele Grüße
    Marco

    • whirlwind-investing whirlwind-investing

      Hallo Marco,
      vielen Dank für deine netten Worte und deinen Kommentar. Eine PV-Anlage ist natürlich auch aus ökologischer Sicht keine so schlechte Idee. Auch wenn es Fleckchen auf unserer Erde / in Deutschland gibt, wo der Wirkungsgrad deutlich höher wäre.
      Globalstrahlung in Deutschland - Jahressumme 2012

      Neben der PV-Anlage ist dann natürlich auch ein entsprechender Speicher ein wichtiges Must-Have aus okonomischer Sicht. Sonst erzeugst du zwar tagsüber den Strom, speist ihn bei zu geringem Eigenbedarf aber für wenige Cent ins öffentliche Netz. Wenn du abends dann Strom benötigst, kaufst du ihn teuer wieder ein.

      Auf jeden Fall freue ich mich sehr, wenn ich mit der Challenge dir bei der Entscheidungsfindung behilflich sein kann. Du kannst ja auch eins, zwei Zwischenberichte abwarten. Vielleicht konnten wir dann auch schon ein paar interessante Erkenntnisse liefern.
      Sonnige Grüße,
      Whirlwind.

  • Avatar Matthias

    Hey, das ist ein toller Wettbewerb. Mir geht’s genau wie Euch. Ich habe mich übrigens für eine Zwischenvariante entschieden. Ich packe mein Geld monatlich stur in Aktien. Gleichzeitig habe ich zwei PV-Module samt Wechselrichter gekauft und auf einen Schuppen installiert, um die Grundlast abzufangen. Demnach erwarte ich offensichtlich durch ein Aktieninvestment eine bessere Rendite. Ich bin gespannt, wie das Experiment ausgeht…

    VG Matthias

    • Hallo Matthias,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Siehst du, ich kann mir nur eines leisten… Entweder PV-Anlage oder Aktieninvestment. 😉 Spaß bei Seite.

      Ich bin halt der Meinung, dass bei der Entscheidungsfindung zur PV-Anlage oftmals die Opportunitätskosten vergessen werden. Man errechnet zwar, wann sich die Anlage amortisiert hat, vergisst aber die Verzinsung des eingesetzten Kapitals bzw. nimmt einen niedrigen Sparbuchzins an.

      Zudem fällt mir noch folgender Vergleich ein… 300 € heute investiert, bringen mir bei einer aktuellen Dividendenrendite i.H.v. 4 % monatlich 1 € ein (4 % von 300 € = 12 €/Jahr bzw. 1 €/Monat). Wenn das Unternehmen nicht in signifikaten Schieflage gerät, idealerweise mein restliches Leben lang. Nicht berücksichtigt sind weitere Steigerungen in der Zukunft. Bei einem 10 k€ Investment wären das somit 400 € pro Jahr bzw. 33,33 € pro Monat. Bei einem kWh-Preis von 0,28 € müsste die Anlage somit durchschnittlich 120 kWh pro Monat erzeugen. Ich habe kein Gefühl, ob das die 4,34 kWp-Anlage von Martin leisten kann. Daher die Challenge. 🙂

      Was hast du für eine Anlage? Welche Leistung hat diese und wie viel Elektroenergie lässt sich damit im Durchschnitt über das Jahr erzeugen?

      Viele Grüße,
      Whirlwind.

  • Avatar Kiev

    Ich bin ja ein Fan von Diversifikation. Wenn ich aktuell 10k rumliegen hätte und sich eine PV Anlage rentieren könnte, so würde ich die PV Anlage finanzieren.

    Ich würde maximal 0.4% Zinsen zahlen und könnte Einnahmen gegen Ausgaben rechnen und meinen Privatbedarf an Strom teilweise decken. Bei Aktien müsste ich die Dividenden versteuern.

    Die Einnahmen würde ich zur Tilgung der Anlage verwenden. Die übrigen 10k würde ich dann in devensive Aktien investieren und die Dividenden, so wie den eingesparten Strom in weitere Dividendenwerte investieren.

    Mit der Variante könnte ich schneller mehr Aktien kaufen und die Anlage finanziert sich von selbst. Der Kredit ist für mich nicht hoch, so dass ich das Leverage nutzen würde.

    • Hallo Kiev,

      vielen Dank für deinen Besuch und deinen Kommentar. Das klingt nach einer klugen, durchdachten Idee. Wenn man die Möglichkeit hat, einen Kredit über knapp 10 k€ zu einem niedrigen Zins zu bekommen, könnte man damit natürlich eine Photovoltaik-Anlage kaufen und installieren lassen. Allerdings denke ich, dass sich der Kredit rein über die Erträge nicht tilgen lässt. Aktuell schätze ich die Amortisationszeit auf ca. 10 Jahre ein. Wie länge würde denn ein solcher Kredit zu 0,4 % laufen?
      Generell bin ich erst einmal gespannt, wenn die ersten Zahlen über den strombezogenen Ertrag vorliegen.

      Allgemein bin ich beim Thema Diversifikation allerdings vollkommen bei dir. 🙂

      Viele Grüße,
      Whirlwind.

  • Avatar Kiev

    Hi Whirlwind,

    das könnte derzeit ein Verbraucherkredit über Smava über 50 Monate sein. Also kein eingetragenes Darlehen. Allerdings mit bester Bonität. Durch die Anlage mit passendem Gegenwert kann man die Kreditkosten absetzen. Die muss ja nicht in 50 Monaten abgezahlt sein. Ich würde die 10k Vermögen in sichere Dividendenzahler stecken und die gesparten Stromkosten sowie Dividenden ebenfalls. Über 50 Monate erhält man so ein schönes Gegengewicht zu der überschaubaren Verbindlichkeit. Sollte es in 5 Jahren teurer werden kann man immer noch schneller mit Unterstützung der Dividenden tilgen. Falls das ganze Modell für einen Zeitraum auf diese Weise sogar mit Abschreibung Verluste einfährt, so senkt sich die Steuerlast. Verbindlichkeiten sind natürlich riskant. Die Höhe sollte man sich immer gut überlegen und sie sollte gut im Verhältnis zu den Einnahmen stehen. Darauf achtest Du bei Aktienanalysen auch.
    Ich sage ja nicht warum ich die Konditionen von Smava aktuell nachgefragt habe. Ab März steht mir mehr Cashflow bereit. Und damit auch eine höhere Bonität. Mieteinnahmen zählen hier lustigerweise wie Dividendeneinnahmen und auch Depothöhe nicht. Bei Vermietung zählen allerdings die Verbindlichkeiten, so dass sich die Vermietung eher nachteilig auswirkt.

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