Clorox – Defensiver Corona-Profiteur in der Analyse

Übersicht – Clorox, Stand 15.09.2020

In meiner heutigen Analyse schaue ich mir mit CloroxTicker CLX – einen möglichen Corona-Profiteur aus dem defensiven Basiskonsumgütersektor auf Basis meiner kennzahlenbasierten Bewertungssystematik genauer an. Im Beitrag gehe ich dabei wie gewohnt auf das Unternehmen, sein Geschäftsmodell und seine wesentlichen Kennzahlen ausführlich ein. Hierzu werden anhand von ausgewählten Fundamentaldaten die finanzielle Stabilität, die Profitabilität und das Wachstum näher betrachtet und bewertet. Zur Beurteilung des Risikos schaue ich weiterhin, wie sich das Unternehmen in der letzten Krise geschlagen hat und welche Drawdowns für die Aktie üblich sind? Zum Schluss erfolgt eine Einschätzung der aktuellen Bewertung, verglichen mit der historischen Bewertung auf Basis des KGVs und bei dividendenzahlenden Unternehmen zusätzlich auf Basis der Dividendenrendite.

Allgemeines zum Unternehmen und zur Aktie

Die 1913 gegründete Clorox Company ist ein US-amerikanischer Hersteller von Haushaltswaren, Pflege- und Wellnessprodukten sowie Nahrungs- und Nahrungsergänzungsmitteln. Die Umsätze werden dabei hauptsächlich in den USA (~ 85 % zum Fiskaljahr 2020) und zu einem geringeren Teil (~ 15 % zum Fiskaljahr 2020) auch international erzielt. Laut eigener Aussage lassen sich Clorox-Produkte sogar in 9 von 10 US-Haushalten finden.

Clorox Umsatzverteilung im Geschäftsjahr 2020
Umsatzverteilung im Geschäftsjahr 2020, Quelle: Q4-2020 Investors Presentation, Clorox Company

Bekannt ist das Unternehmen vor allem für sein Bleich- und Reinigungsmittel namens Clorox, aber auch für seine Brita Wasserfiltersysteme, verschiedene Naturkosmetik-, Lebensmittel- und Nahrungsergänzungsmarken, wie Burt’s Bees, Hidden Valley Ranch und Kitchen Bouquet sowie weitere Reinigungsprodukte und Haushaltswaren, wie Pine-Sol Mehrzweckreiniger, Glad Mülltüten und Fresh Step Katzenstreu. Allesamt also Produkte des täglichen Bedarfs.

Auch die Themen Transparenz und Nachhaltigkeit werden bei Clorox großgeschrieben. So veröffentlicht das Unternehmen seit 2011 sämtliche Inhaltsstoffe seiner Reinigungsprodukte und Haushaltswaren und verpflichtet sich fortwährend dazu sparsam und verantwortungsbewusst mit Ressourcen umzugehen und beispielsweise Plastik und anderen Verpackungsmüll stetig weiter zu reduzieren.

Seit November 2014 wird das Unternehmen von Benno Dorer erfolgreich geführt, welcher die Unternehmensleitung jedoch aktuell an Linda Rendle, welche selbst bereits seit 17 Jahren im Unternehmen ist, abgibt. Der aus Deutschland stammende Wirtschaftswissenschaftler und Diplom-Kaufmann wir dem Unternehmen jedoch als Vorstandsvorsitzender weiterhin zur Verfügung stehen. Daher gehe ich davon aus, dass sich am eingeschlagenen Weg vorerst nichts Wesentliches ändern wird.

Nach dem Global Industry Classification Standard (GICS) wird Clorox dem Basiskonsumgütersektor (= consumer staples) zugeordnet. Die Aktien sind im S&P 500 gelistet und können mit Hilfe der internationalen Wertpapierkennnummer (ISIN) US1890541097 sowie der Wertpapierkennnummer (WKN) 856678 eindeutig identifiziert werden.

Aktien-Dashboard und Qualitätsfaktoren

Das Geschäftsjahr von CLX beginnt am 01. Juli und endet am 30. Juni. Unter Berücksichtigung des abgeschlossenen Fiskaljahrs 2020 ergibt sich mit Stand 15.09.2020 folgendes Dashboard für die Aktie:

Clorox Dashboard Whirlwind-Investing
Clorox – Dashboard, Stand 15.09.2020 – Whirlwind-Investing

Finanziell ist Clorox mit einer Schuldentilgungsdauer (ohne Berücksichtigung der flüssigen Mittel) von unter 4 Jahren und einem stetig steigenden Eigenkapital grundsätzlich solide aufgestellt. Allerdings ist die über 3 Jahre gemittelte Eigenkapitalquote des Unternehmens mit 13,3 % vergleichsweise gering. Bis zum Geschäftsjahr 2012 war das Eigenkapital und damit auch die Eigenkapitalquote sogar negativ, was mich lange Zeit davon abgehalten hat, Clorox als ernsthaftes Investment in Betracht zu ziehen. Diese geringe Eigenkapitalquote liegt allerdings daran, dass der Konsumgüterhersteller regelmäßig eigene Aktien zurückkauft, welche als Treasury Shares in der Bilanz geführt und gegen das Eigenkapital gerechnet werden. Zum Ende des 2020er Fiskaljahres am 30.06.2020 betrug der Treasury Stock immerhin 3,315 Mrd. USD.

Clorox Balance Sheets per 30.06.2020
Balance Sheets per 30.06.2020, Quelle: Annual Report Fiskaljahr 2020, Clorox Company

Clorox wirtschaftet profitabel und hat seit über 10 Jahren stets positive operative Gewinne ausgewiesen. Die Eigenkapitalrendite, gemittelt über 3 Jahre, wird dagegen durch die geringe Eigenkapitalquote verzerrt und ist daher mit 121 % unnatürlich hoch. Addiert man dagegen den Wert der Treasury Shares/des Treasury Stocks zum berichteten Eigenkapital des Geschäftsjahres 2020 dazu und setzt dieses ins Verhältnis zum Netto-Gewinn des gleichen Zeitraums, ergibt sich eine „bereinigte“ Eigenkapitalquote für das Fiskaljahr 2020 i.H.v. 22 %, was vergleichbar mit der Eigenkapitalquote von Church & Dwight ist.

Betrachtet über 5 und 10 Jahre wachsen die Umsätze und operativen Gewinne bei Clorox zwischen 2 % und 5 % pro Jahr. Damit fällt das jährliche Wachstum zwar nur gering bis moderat aus, dafür wächst das Geschäft die letzten Jahre allerdings äußerst kontinuierlich und stetig. Betrachtet man dagegen die Wachstumsrate bezogen auf den Gewinn je Aktie (= EPS), so fällt hier das Wachstum aufgrund der regelmäßig zurückgekauften Aktien deutlich höher aus, da der verbleibende Netto-Gewinn auf immer weniger Aktien verteilt werden muss. Das EPS-Wachstum (CAGR) beträgt über 5 Jahre 10,9 % pro Jahr, über 3 Jahre 11 % pro Jahr und über 1 Jahr sogar 16,2 % pro Jahr.

Aktuell zahlt Clorox eine Quartalsdividende i.H.v. von 1,11 USD und lässt damit seine Aktionäre in Form regelmäßiger Gewinnausschüttungen zuverlässig am geschäftlichen Erfolg teilhaben. Bezogen auf den aktuellen Preis der Aktie von etwa 209 USD führt dies zu einer annualisierten Dividendenrendite i.H.v. etwa 2,1 %. Das jährliche Dividendenwachstum (CAGR) über 5 Jahre beträgt 7,5 % p.a. und die über 3 Jahre gemittelte Ausschüttungsquote liegt bei 58,5 % des Netto-Gewinns.

Performance im Vergleich

An dieser Stelle folgt ein Blick auf die Performance der letzten Jahre. Die Total-Return-Rendite über die letzten 5 Jahre, d.h. Kauf der Aktie der Clorox Company zum mittleren Kurs des Fiskaljahres 2015 und Verkauf zum mittleren Kurs des Fiskaljahres 2020, beträgt inkl. der gezahlten Dividenden durchschnittlich 12,8 % pro Jahr (alle Preise und Dividenden in USD).

Im Vergleich mit dem breiten S&P 500 Kurs-Index, zeigt sich, dass die Aktie von Clorox über 5 Jahre zudem besser lief als der gewählte Benchmark, wie der folgende Chart-Vergleich zeigt.

Clorox Chart-Vergleich mit S&P 500 Kurs-Index
Chartvergleich – Clorox verglichen mit dem S&P 500 Kurs-Index, Stand 15.09.2020, Quelle: ariva.de

Fairerweise muss hier jedoch angemerkt werden, dass Clorox aufgrund seiner Reinigungs- und Desinfektionsprodukte deutlich von der Corona-Pandemie profitiert hat, was den jüngsten Kurssprung der letzten 6 Monate erklärt. Aber auch im 10-Jahres-Chartvergleich muss sich der Basiskonsumgüterhersteller nicht hinter dem S&P 500 verstecken.

Risiko: Ergebnisse in der letzten Krise

Allgemeinhin wird an der Börse zur Quantifizierung des Risikos die Volatilität verwendet. Dabei zeigt die Volatilität die Schwankungsintensität des Preises einer Aktie innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Je höher die Volatilität eines Wertpapiers, umso stärker schlägt der Kurs nach oben und unten aus und desto riskanter wird eine Investition in selbiges im Allgemeinen angesehen.

Langfristig orientierten Investoren können Preisschwankungen im Grunde genommen jedoch weitestgehend egal sein, da der Preis letztlich nur beim Kauf, beim Nachkauf oder beim Verkauf eine Rolle spielt. Das Hauptrisiko für einen Langfristanleger ist meiner Meinung nach dagegen, dass das Unternehmen auf Grund einer langanhaltenden fundamentalen Schwäche irgendwann in ernste Zahlungsschwierigkeiten gerät und infolgedessen Insolvenz anmelden muss. Daher schaue ich mir zur Beurteilung des Risikos hier noch einmal gezielt die fundamentalen Daten, besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, an. Dabei konzentriere ich mich vor allem auf die Kennzahl des operativen Gewinns (EBIT). Wesentliche Fragen sind für mich an dieser Stelle:

  • Musste das Unternehmen in der letzten Krise einen Verlust ausweisen (EBIT < 0)?
  • Betrug der Gewinnrückgang in den Jahren der Krise > 50 %?
  • Wie viele Jahre dauerte es nach einem signifikanten Gewinnrückgang, bis der operative Gewinn wieder auf Vorkrisenniveau oder darüber lag?

Für den gesamten Zeitraum meiner Betrachtung, d.h. seit dem Geschäftsjahrs 2006 hat Clorox stets positive operative Gewinne (EBIT) ausgewiesen. Weiterhin gab es seitdem keine Gewinnrückgänge > 50 %nicht einmal größer 10 %.

Bei der näheren Betrachtung der Kennzahlen fällt lediglich auf, dass im Geschäftsjahr 2011 der operative Gewinn um über 35 % zurückgegangen ist. Dies ist jedoch auf eine nicht cash-wirksame Wertminderung des Goodwills (= immaterielle Vermögenswerte) der Naturkosmetikmarke Burt Bee’s zurückzuführen. Der Netto-Gewinn ist in diesem Geschäftsjahr zudem lediglich um 7,6 % zurückgegangen.

Alles in allem zeigt sich hier nochmals, wie stabil und offensichtlich krisenresistent das Geschäft von Clorox ist!

Schließlich werfe ich an dieser Stelle nun noch einen Blick auf die Drawdowns der Aktie. Als Drawdown bezeichnet man den Abstand des Kurses vom vergangenen Höchststand. Drawdowns werden üblicherweise in Prozent angegeben. Diese Betrachtung vermittelt einen Eindruck, welche (Buchwert-)Verluste Investoren in der Vergangenheit hinnehmen mussten, worauf man sich unter Umständen in Zukunft einstellen sollte und ob es womöglich sogar Muster im Kurs gibt, die unter Umständen typisch für die jeweilige Aktie sind. Die Drawdowns der Aktie von Clorox werden im folgenden Diagramm dargestellt.

Clorox Drawdown-Chart Whirlwind-Investing
Drawdown-Chart – Clorox, Stand 15.09.2020

Wie im Drawdown-Chart zu erkennen ist, sind die Kursrücksetzer bei Clorox vergleichsweise gering. Im Zuge der Weltfinanzkrise 2008/2009 gab der Kurs kurzzeitig bis zu knapp 33 % nach, erholte sich dann aber schnell wieder, sodass bereits im Oktober 2010 ein neues Hoch erreicht werden konnte.

Weiterhin zeigt der Drawdown-Chart, dass die Aktie in steter Regelmäßigkeit um 10 % korrigiert – wie aktuell offensichtlich. Allerdings dauern diese Rücksetzer üblicherweise nicht sehr lange an.

Aktuelle Bewertung in Relation zur historischen Bewertung

Zum Schluss werfe ich an dieser Stelle wie üblich einen Blick auf die aktuelle Bewertung der Aktie. Dabei vergleiche ich diese mit der eigenen historischen Bewertung des Wertpapiers auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses und der Dividendenrendite.

Im Durchschnitt der letzten 5 Jahre wurde CLX mit einem KGV von knapp 23 bewertet. Laut Seeking Alpha erwarten die Analysten für das Fiskaljahr 2021 einen Gewinn je Aktie i.H.v. 7,66 USD. Basierend auf dem aktuellen Preis von etwa 209 USD entspricht dies einem KGV21(e) von etwa 27,3. Damit liegt die aktuelle Bewertung auf KGV-Basis etwa 20 % über dem historischen Durchschnitt, was auf eine Überbewertung der Aktie hindeutet.

Im KGV-Chart wird ersichtlich, dass Clorox die letzten Jahre mit einem Kurs-Gewinn-Multiple zwischen 20 und 25 bewertet wurde. Da der Markt offensichtlich annimmt, dass Clorox mit seinen Produkten eher zu den Corona-Profiteueren gehört, zeigt sich auch im KGV-Chart, dass die aktuelle Bewertung oberhalb der historischen Bandbreite liegt.

Clorox KGV-Chart Whirlwind-Investing
KGV-Chart – Clorox, Stand 15.09.2020

Mit Blick auf die historische Dividendenrendite zeigt sich, dass Aktionäre der Clorox Company über 5 Jahre eine durchschnittliche Dividendenrendite i.H.v. 2,6 % erhalten haben. Auf Basis der aktuellen Quartalsdividende i.H.v. 1,11 USD/Aktie führt dies unter Berücksichtigung des aktuellen Aktienpreises zu einer annualisierten Dividendenrendite von 2,1 %. Damit liegt die aktuelle Dividendenrendite unter der historischen Dividendenrendite, was auch an dieser Stelle auf eine Überbewertung im historischen Kontext hindeutet.

Der DivR-Chart zeigt schließlich, dass sich die Dividendenrendite in den letzten Jahren im Bereich zwischen 2,5 % und 3 % bewegte, was die vergleichsweise niedrige Dividendenrendite aktuell nochmals unterstreicht.

Clorox DivR-Chart Whirlwind-Investing
DivR-Chart – Clorox, Stand 15.09.2020

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Zusammenfassung

Die Clorox Company bietet Produkte des täglichen Bedarfs an und ist mit diesen laut eigener Aussage in 9 von 10 US-Haushalten vertreten. Auch die Themen Transparenz und Nachhaltigkeit nimmt das Management ernst.

Der Basiskonsumgüterhersteller wirtschaftet profitabel und ist finanziell solide aufgestellt. Durch die regelmäßig zurückgekauften Aktien erscheint das Eigenkapital und damit auch die Eigenkapitalquote zwar vergleichsweise gering. Da das Geschäft jedoch sehr stabil und offensichtlich im Großen und Ganzen auch krisenresistent ist, sehe ich hier jedoch wenig Grund zur Sorge.

Zudem werden die Umsätze und operativen Gewinne über die Jahre kontinuierlich und zuverlässig im unteren bis mittleren 1-stelligen Bereich gesteigert.

Verglichen mit der historischen Bewertung, basierend auf dem Kurs-Gewinn-Verhältnis und der Dividendenrendite, wird die Aktie aktuell mit einem Aufschlag etwa 20 % gehandelt. Damit könnte Clorox tatsächlich als eine Art Corona-Profiteur betrachtet werden.

Zum Schluss habe ich mir noch den aktuellen Free Cash Flow von Clorox angesehen und basierend auf der aktuellen Marktkapitalisierung die „Free Cash Flow“-Rendite errechnet. Laut Morningstar betrug der Free Cash Flow in den letzten zwölf Monaten (TTM) 1,29 Mrd. USD. Die aktuelle Marktkapitalisierung beträgt dagegen 26,6 Mrd. USD. Daraus ergibt sich eine FCF-Rendite von gut 4,8 %.

Nun bin ich auf eure Meinung zur Clorox Company gespannt. Was haltet ihr vom Unternehmen, wie bewertet ihr dieses aus qualitativer Sicht und wie schätzt ihr schließlich die aktuelle Bewertung der Aktie ein? Lasst dazu gern einen Kommentar da. 🙂

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Viele Grüße,
Whirlwind.

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Transparenzhinweis: Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung halte ich keine Aktien der Clorox Company. In die ebenfalls erwähnte Church & Dwight Company bin ich investiert. Weiterhin beabsichtige ich innerhalb der nächsten 48 h nach Veröffentlichung dieses Beitrages keine Transaktionen mit den erwähnten Wertpapieren durchzuführen.

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