Aktien-Sammler Reloaded

Unter dieser Rubrik werde ich den Wiederaufbau meines langfristig orientierten „Aktien-Sammler Reloaded“-Depots dokumentieren. Ich werde hier ausführlich und transparent mein Depot darstellen, über meine Käufe (und notfalls Verkäufe) informieren und vor allem die Gründe dafür zur Diskussion stellen. Des Weiteren lasse ich euch an der Entwicklung meiner Erträge teilhaben und auch der Performance-Nachweis soll natürlich nicht zu kurz kommen.

Warum aber nun „Reloaded“? Dies erläutere ich umfassend in den nächsten Zeilen und ich gebe am Ende des Artikels einen kurzen Ausblick, welche konkrete Strategie ich für den Wiederaufbau des „Aktien-Sammler Reloaded“-Depots verfolgen werde. Auf geht’s…

Was bisher geschah und was ich die letzten Jahre erreicht habe

Als ordnungsliebender und meist gut strukturierter Mensch habe ich natürlich jede Wertpapierabrechnung (digital) aufgehoben. So konnte ich als Recherche für diesen Text kurzerhand nachschauen, welches mein erstes Wertpapier war (abgesehen von Bundesschatzbriefen, die meine Eltern damals für mich in regelmäßigen Abständen erworben haben) und wann ich es gekauft habe. Wie die unten aufgeführte Wertpapierabrechnung zeigt, habe ich am 10.12.2009 ganze 10 Stück der Volkswagen AG Vorzugsaktien zu einem Preis von 63,90 € pro Stück gekauft.

Wertpapierabrechnung meines ersten Aktienkaufs vor knapp 10 Jahren

Anscheinend hielt sich damals jedoch mein Wissen über die langfristig orientierte Geldanlage arg in Grenzen. So kam es, dass ich die 10 Aktien am 02.03.2010 bereits wieder verkauft habe. Verkauft nach nicht einmal 3 Monaten Haltezeit und zu einem Preis von 60,50 € pro Stück. Das heißt, ich habe mit meinem ersten Aktieninvestment (obwohl es tatsächlich aus heutiger Sicht keine wirkliche Investition war) sogar Verlust gemacht. Oh weh!

Hätte ich die Aktien seit damals stur gehalten, würde die Position heute deutlich besser dastehen, wie der folgende Chart der Volkswagen Vorzugsaktie mit Beginn am 10.12.2009 zeigt. Und das trotz zwischenzeitlichem Diesel-Skandal und gegenwärtiger Transformation der Automobil-Branche hin zu alternativen Antriebskonzepten. Zudem hätte ich in der Zwischenzeit in Summe über 30 € Dividenden pro Aktie on top erhalten und den DAX hätte ich auch noch geschlagen.

Kursverlauf der Volkswagen Vorzugsaktie seit dem 10.12.2009 – verglichen mit dem DAX Performance-Index, Stand 15.08.2019, Quelle: ariva.de

Genug der blauäugigen Börsenanfänge. An dieser Stelle halte ich es frei nach Konfuzius, der sagte:

“Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten.”

Nach meinem Studium der Automatisierungstechnik und dem Jobeinstieg habe ich mich schließlich intensiv mit dem Investieren auseinandergesetzt. Den Anfang machten bei mir Blogs, wie der von Holger Grethe “Zendepot” oder vom “Finanzwesir” Albert Warnecke. Allerdings waren ETFs mir zu indirekt. Anschließend folgten Podcasts, wie “Der Finanzrocker”, “Aktien mit Kopf” und einige mehr. Auf Facebook bin ich letztendlich auf die Dividendenstrategie-Gruppe gestoßen, die von Jonathan Neuscheler moderiert wird. Am Anfang las ich nur still mit, aber bald begann ich eigene Beiträge zu Aktien zu schreiben, deren Unternehmen mich interessierten und an denen ich gern direkt beteiligt sein würde. Seitdem beschäftigte ich mich auch ausführlich mit Kennzahlen zur Aktienbewertung und entwickelte nach und nach meine eigene Strategie und mein Dashboard für kennzahlenorientierte Unternehmensanalysen. Besonders hat mich dabei das Werk von Peter Lynch „Der Börse einen Schritt voraus – Wie auch Sie mit Aktien verdienen können!“ (*) inspiriert.

Entsprechend dem Motto “Skin in the game” fing ich schließlich 2017 mit dem Aufbau meines Aktien-Sammler Depots an. Meine ersten Aktien kaufte ich am 07.02.2017. Es waren 5 Stück der Allianz SE. Es folgten Aktien von Royal Dutch Shell, 3M und Walt Disney. Vor allem defensive Aktien wie Coca-Cola, Procter & Gamble und Johnson & Johnson halfen mir, das verrückte 4. Quartal 2018 gut zu überstehen, in dem der S&P 500 allein vom 01. Oktober bis 24. Dezember 2018 um 20 % nachgab. Zum Halbjahr 2019 sah mein Aktien-Sammler Depot schließlich wie folgt aus:

Aktien-Sammler Depot, Stand 30.06.2019

Auch den Vorzug von Dividenden lernte ich in den gut zweieinhalb Jahren kennen, da diese direkt den monatlichen Cashanteil erhöhten, welchen ich zusammen mit den regelmäßigen Sparraten für weitere Investments zur  Verfügung hatte. So führten die reinvestierten Dividenden zu einer weiteren Zunahme des Depots, was wiederum zu mehr Dividenden führte, wie folgendes Diagramm meiner kumulierten Dividendeneinnahmen je Jahr zeigt.

Kumulierte Dividendeneinnahmen, Stand 30.06.2019

Klar sind manche Investoren nun der Meinung, Dividendenausschüttungen folgen der Devise “linke Tasche, rechte Tasche”, da diese Ausschüttungen direkt den Unternehmenswert mindern und damit den Preis der Aktie an der Börse senken. Allerdings kann einem Geld, welches man ausgeschüttet bekommen hat, so schnell keiner mehr nehmen. Auch steigende Kurse und die damit verbundenen Buchgewinne sind toll, keine Frage. Aber einen positiven Cashflow erlangt man damit nur, wenn man Aktien (teil-)verkauft. Und dies hatte ich jedoch (eigentlich) nicht vor.

Jedoch kam es nun schließlich doch anders, als gedacht. Ende des Jahres 2018 zogen wir in unser im Laufe des Jahres gebautes Einfamilienhaus ein. Die Kostenplanung für das Haus hatte gepasst. Wir hatten soweit gut kalkuliert. Nur macht ein Haus ohne anständig angelegtes Grundstück auch nicht so richtig Spaß. Und eine qualitativ hochwertige Garten-Landschaftsgestaltung hat ihren Preis. Nicht nur das Material wie Schotter, Pflaster, Zäune muss bezahlt werden, sondern auch die notwendigen Maschinen und das entsprechende Know-how, was für ein anständig hergerichtetes Grundstück notwendig ist. Also war auf der einen Seite der Wunsch eines zeitnah ansprechend gestalteten, aber kostenintensiven Grundstücks und auf der anderen Seite ein gut gelaufenes Depot. Einen Kredit wollten wir für diese Luxus-Konsumausgabe definitiv nicht aufnehmen, also löste ich Anfang Juli 2019 mein Aktien-Sammler Depot schweren Herzens auf.

Was bleibt, sind die Erfahrungen, die ich die letzten zweieinhalb Jahre hinsichtlich der Aktienauswahl, aber vor allem auch in Hinblick auf die Börsenpsychologie (Gier, Angst, Panik…) gemacht habe. Ich blicke auf eine Aktienauswahl zurück, bei welcher am Ende von insgesamt 16 Positionen inkl. Dividenden lediglich 5 Titel schlechter dastanden, als zum Kaufzeitpunkt. Ganze 11 Positionen erzielten ebenfalls inkl. Dividenden glücklicherweise teils beachtliche Wertzuwächse.

So waren meine Top 3 Positionen:

  • Allianz + 51,7 %
  • SAP + 48,6 %
  • Walt Disney + 46,4 %

Fairerweise seien an dieser Stelle auch meine Flop 3 Positionen genannt, von denen ich langfristig jedoch nach wie vor mehr als überzeugt bin:

  • BASF – 19 %
  • Henkel – 13,5 %
  • AbbVie -9,3 %

Am meisten überraschte mich jedoch wie die Dividendeneinnahmen sich über diese Zeit entwickelt haben. So erzielte ich zum 1. Halbjahr 2019 bereits Dividendeneinnahmen in der Höhe, wie im gesamten Jahr 2018. Ich bin gespannt, welches Wachstum hier über 5, 10 oder gar 15 Jahre möglich ist.

Wie geht es jetzt weiter?

Für den Aufbau des Aktien-Sammler Reloaded Depots werde ich erneut auf eine Auswahl qualitativ hochwertiger Unternehmen setzen. Ich werde nach wie vor die Aktien, als direkteste Form der Unternehmensbeteiligung, bevorzugen. Weiterhin bin ich Dividenden gegenüber nicht abgeneigt, da diese wie bereits oben beschrieben einen regelmäßigen Cashflow ermöglichen und damit direkt das zur Verfügung stehende Investmentkapital erhöhen. Aus diesem Grund werde ich zu Beginn wohl auf Aktien setzen, welche eine relativ hohe Anfangsdividendenrendite (> 4 %) bieten, um bereits zeitnah direkt vom zusätzlichen Cashflow zu profitieren. Anschließend erweitere ich das Portfolio um Unternehmen, welche eine überdurchschnittliche Dividendensteigerung bieten. Oberste Priorität bei der Aktienauswahl hat vor allem jedoch die Qualität der Unternehmen, in welche im Rahmen der Aktien-Sammler Reloaded Strategie investiert wird. Daher stehen auch hier die kennzahlenbasierten Unternehmensanalysen von Whirlwind-Investing im Vordergrund.

Was haltet ihr von meinem bisherigen Weg? Welche Erfolge konntet ihr in der Vergangenheit erzielen? Welche Strategie(n) verfolgt ihr? Ich freue mich auf eure Hinweise und Kommentare.

Viele Grüße,
Whirlwind.

Disclaimer: Die unter Whirlwind-Investing veröffentlichten Analysen und Texte stellen keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Aktien, ETFs und Fonds sind immer mit Risiken behaftet. Trotz gründlicher Recherche kann für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen keine Haftung übernommen werden. Beachtet bitte auch noch einmal meinen gesonderten Disclaimer als Teil des Impressums.

Transparenzhinweis: Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrages bin ich in keine der genannten Aktien oder sonstigen Wertpapiere investiert. Fernen beabsichtige ich nicht diese oder andere Aktien oder Investmentvehikel innerhalb der nächsten 48 h zu kaufen oder zu verkaufen.

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5 Kommentare

  • Avatar Kevin

    Hey,

    starker Artikel und coole Geschichte. Wäre cool wenn du noch die gesamt Performance die du in der Vergangenheit hattest aufzeigen könntest. Und vllt auch die Dividendenrendite deines alten Portfolios.
    Auch wenn dus nicht teilen möchtest, weils dir zu privat ist Danke für deine Transparenz die du jetzt schon zeigst!

    • Hallo Kevin,

      vielen Dank für dein Feedback und deine Frage. Das mit der Performance ist so eine Sache. Getreu dem Motto: “Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst erstellt (böse Zungen sagen gefälscht) hast.” 😉
      Tatsächlich gibt es verschiedene Möglichkeiten seine Performance auszuweisen. Portfolio-Performance bescheinigt mir für meine Auswahl vom 01.01.2017 bis 01.07.2019 eine zeitgewichtete Rendite (TTWROR) von 50,36 % und einen internen Zinsfuß i.H.v. 12,86 %. Um diese Kennzahlen genauer interpretieren zu können, muss man schon tief in die Materie einsteigen. Verkompliziert wird die Angelegenheit, durch die regelmäßigen Käufe und das Reinvestieren der Dividenden.
      Ich selbst bin da etwas pragmatischer unterwegs. Insgesamt habe ich über die 2,5 Jahre etwas über 15,3 k€ angespart und investiert. Am Ende habe ich die Aktien für gut 16,9 k€ veräußert. Macht etwa 1,6 k€ Kursgewinne bzw. gut 14 % Kursrendite. Des Weiteren habe ich über die Zeit fast 600 € Dividenden (599,35 € um genau zu sein) erhalten, was weiteren 3,91 % entspricht.

      Ich hoffe, ich konnte dir mit diesen Angaben weiterhelfen. 🙂

      Viele Grüße,
      Whirlwind.

  • Avatar Christian Höfer

    Mich würde Exponent interessieren für eine weitere Analyse, falls Du Zeit hast.

    • Hallo Christian,

      freut mich, dass du vorbeigeschaut und einen Kommentar da gelassen hast.
      Auf den ersten Blick schaut Exponent ganz vielversprechend aus.
      Nehme die Aktie gern auf meine Watchlist und schaue, wann ich zumindest mal ein Dashboard erstellt bekomme. 🙂 Sollte bis Ende der Woche noch reinpassen.

      Wenn du magst, kannst du gern auf Facebook meine gleichnamige Seite zum Whirlwind-Investing Blog abonieren. Dort informiere ich zeitnah über neue Artikel auf dem Blog.

      Viele Grüße,
      Whirlwind.

    • Hallo Christian,

      nun habe ich mir doch heute Abend gleich mal die wichtigstens Kennzahlen von Exponent in meine Excel-Vorlage reingezogen.
      Für alle, die das Unternehmen nicht kennen: Exponent ist ein Consultingunternehmen in den Bereichen Technik/Maschinenbau und Wissenschaft und entwickelt Lösungsansätze für komplexe Fragestellungen. Dabei bringt ein multidisziplinäres Team aus Wissenschaftlern, Ärzten, Ingenieuren und Unternehmensberatern sein Wissen aus über 90 technischen Disziplinen ein, um Antworten auf drängende Fragen in der Industrie und der Politik zu finden. (Soweit das Unternehmensprofil)
      Die Kennzahlen sehen soweit recht solide aus, wobei mir vor allem die Eigenkapitalquote > 65 % und die Schuldentilgungsdauer < 2 Jahre gefallen. Da das EBIT stärker wächst als die Umsätze, führt dies zu steigenden EBIT-Margen. Allerdings ist die Börsenhistorie mit 7 vollendeten Geschäftsjahren noch relativ kurz, weswegen ich vorerst auf einen ausführlichen Beitrag für den Blog verzichte. Anbei das vollständige Dashboard: Exponent - Whirlwind-Investing Dashboard, Stand 10.09.2019

      Ich hoffe, ich konnte dir erst einmal weiterhelfen.

      Viele Grüße,
      Whirlwind.

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